berichtet am 08. April 2004
Zukunft des Hirschen hängt vom Bauamt ab
Konkrete Planungen können noch nicht gemacht werden - Info zum REHA-Verein
Kirchzarten (tn.) Der Hirschen war lange Zeit in Kirchzartens Ortsmitte ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Fremde. Viele Vereine trafen sich dort zu ihren Sitzungen und während der Närrischen Tage zeigte das Leuchtfeuer des Leuchtturms der Birgitti Matrosen durstigen Narren den Weg. Doch diese Zeiten scheinen vorerst der Vergangenheit anzugehören. Seit mehr als einem Jahr steht der Hirschen leer, wie so viele Gasthäuser in der Region. Lang wurde über die Lösung nachgedacht, bis sich im Herbst vergangenen Jahres etwas Konkretes tat. Ein neuer Pächter schien gefunden zu sein, der mit einem neuartigen Konzept den Hirschen wieder beleben wollte. Das Konzept besteht aus zwei Hauptpunkten, 1. einer Wiederaufnahme des Gastrobetriebes und 2. der Etablierung einer sogenannten Außenwohngruppe in den ehemaligen Gästezimmern, im 1. Obergeschoss, wie der Dreisamtäler vergangenen Herbst berichtete. Um dieses Vorhaben in die Tat um zusetzten, musste die Zustimmung des Gemeinderates her. Nach deiner heftigen Debatte zu dem Thema verabschiedetet der Gemeinderat mit einer knappen Mehrheit den Antrag des RHEA-Vereins unter einer Auflage: bevor man den Worten Taten folgen lassen kann, müssen ein paar wenige Umbaumaßnahmen im Wohnbereich vorgenommen werden. Dafür ist das Bauordnungsamt in Freiburg zuständig. Damit schien der Weg so gut wie frei zu sein, das Bauordnungsamt musste nur einem kleinen Umbau des Treppenhauses zustimmen, denn der derzeitige Zustand entspricht nicht mehr den aktuellen Feuerschutzmaßnahmen. Doch bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt kam von Seiten des Bauordnungsamtes keine Genehmigung. Selbst nach mehrmaligen nachfragen wurde man immer mit den Worten, "es sich noch in Bearbeitung", vertröstet. Ob es eine gewollte Taktik seitens der Behörde ist, oder einfach nur deutsche Bürokratie, ist sicherlich schwer zu sagen. Aber leicht wunderlich ist es schon, betrachtet man die Taschen, dass andere, größere Bauvorhaben in der Regel schnell genehmigt sind."
Solange wir kein definitives o.k. vom Amt bekommen, können wir unser Vorhaben auch nicht in die Tat umsetzten", so Norbert Klein-Alstedde, Geschäftsführer des REHA-Vereins. Durchaus hängt man ein wenig in der Luft, da man nicht weiß, ob und vor allem wann es losgehen kann. Ein weiterer Punkt, warum auch für das Gastronomiekonzept noch kein endgültiger Plan vorliegt ist der, dass der REHA-Verein personell an seine Belastungsgrenzen stößt. Bei vielen Projekten gleichzeitig engagiert zu sein beansprucht viel Zeit. Trotzdem gibt es Ansätze und es wurden auch schon Gespräche zum Gastrobetrieb mit Betroffenen vor Ort geführt, "genaueres soll jedoch erst bekannt gegeben werden, wenn die Zeit reif ist", so Klein-Alstedde. Für die Verantwortlich seitens des REHA-Vereins ist es sehr wichtig, dass der Wohnbereich von dem Gastrobereich getrennt wird. Dieser Teil des Hirschen ist privat und Privatsphäre gehört nicht in die Öffentlichkeit. Hier sollen nichtbehinderte und behinderte Menschen zusammen leben. Gleichberechtigung und vor allem Gleichstellung, darauf kommt es dem REHA-Verein besonders an.
Das zweite Obergeschoss ist seit kurzem an ein paar Studenten vermietet.
Der Dreisamtäler wird natürlich weiterhin an der Sache dran bleiben, denn es liegt sicherlich im Interesse aller Bürger, dass im Ortskern kein Gasthaus leer stehen bleibt, nur weil ein einfacher Antrag nicht bearbeitet wird.
Der REHA-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie e.V. Freiburg - ein Kurzportrait.
In Freiburg ist der REHA-Verein schon lange bekannt. Im Dreisamtal machte er vergangenen Herbst auf sich aufmerksam, als er Interesse am Gasthaus Hirschen zeigte. Mit seiner Idee, eine Außenwohngruppe in den ehemaligen Gästezimmern einzurichten und den Gaststättenbetrieb wieder zu beleben, stieß er nicht nur auf positive Resonanz. Obwohl gerade für die Bevölkerung heftig umstrittene Wohngruppe bereits konkrete Vorbilder vorlagen. Der Verein wurde im Jahr 1979 gegründet und er engagiert sich seit dem in Freiburg und den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald für psychisch kranke- und gefährdete Personen. Ziel ist es, diese Personen nach erfolgreicher Rehabilitation wieder in den sozialen und beruflichen Alltag einzugliedern. Hauptschwerpunkte bilden hierbei die Bereiche Arbeitsmöglichkeiten und Wohnmöglichkeiten. Letztere setzt sich aus therapeutischen Wohnheimen, betreutes Einzel- oder Paarwohnen und den Außenwohngruppen zusammen. Der Verein bietet Betroffenen Hilfestellung bei der Wiedereingliederung in den Alltag an, besonderes durch die individuelle auf jeden einzelnen zugeschnittenen Programmen. Hier kommen finanzielle, berufliche und soziale Beratung zum Zug. Ein Bereitschaftsdienst rund um die Uhr hilft da, wo er gebraucht wird.
Der Verein ist dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen und gemeinnützig. Er betreibt in der Moltkestraße in Freiburg einen eigenen Laden, in dem Produkte aus eigener und fremder Produktion verkauft werden. Daneben beschäftigt er Personen in den Werkstätten in Emmendingen und Müllheim. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.reha-verein.de
Foto: Hanspeter Schweizer