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Chronik

 berichtet am 23. Oktober 2003

Bemühen um psychisch Kranke
REHA-Verein will sie in normale Arbeitsverhältnisse integrieren

Müllheim (wag). Psychisch kranke Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zurückzuholen, das hat sich der Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie zur Aufgabe gemacht. Während des achten Reha-Tages im Müllheimer Bürgerhaus standen seine Bemühungen darum im Vordergrund.

Bislang können in seinen Werkstätten und Läden in Müllheim, Freiburg, Bad Krozingen und Emmendingen behinderte Menschen sich zur Rente oder der Sozialhilfe nur etwas dazuverdienen. Mit der neuen Initiative sollen sie, wie "normale" Arbeitnehmer auch, sozialversicherungspflichtig mit Tariflohn ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten.
Ziel sei es, wie der Reha-Geschäftsführer Norbert Klein-Alstedde unterstrich, psychisch  Kranke in "möglichst normale Wohn- und Arbeitsverhältnisse" zu integrieren. Eine psychische Erkrankung betreffe zwar den Menschen in seiner gesamten Persönlichkeit. Trotzdem seien die Talente und Fertigkeit davon nicht berührt. An ihnen gelte es anzuknöpfen.
Unter den von Reha Betreuten sind Berufe alle Art vertreten - Handwerker, Lehrer, kaufmännische und medizinische Berufe. Vier davon sollen jetzt in einer Schreinerei in Endingen am Kaiserstuhl eine Beschäftigung finden. Der Betrieb stellt Kulissen und Requisiten für TV Produktionen her, produziert Küchen- und Büromöbel, Werbemittel aus Holz und kümmert sich um die Restaurierung antiker Einzelstücke.
Angestellt werden sie bei der Relan GmbH sein, einem gemeinnützigen Tochterunternehmen des Vereins. Relan fungiert als eine Art Subunternehmer. Die unbefristeten Arbeitsverträge werden direkt mit der Gesellschaft abgeschlossen. Sie erhält auch die Ausgleichsabgabe, die alle Betriebe entrichten müssen, die keine Schwerbehinderten einstellen. Sie dient als Lohnzuschuss, weil die Arbeitsleistung der psychisch Kranken geringer ausfällt.
Als Schwerbehinderte gelten auch Patienten nach einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Trotzdem müssen sie einen entsprechenden Ausweis beantragen. Viele lehnten das ab, so Klein-Alstedde. Der Besitz eines Schwerbehindertenausweises ist aber Voraussetzung, um in einem solchen Integrationsprojekt arbeiten zu können. Nur damit gibt es Zuschüsse seitens des Landeswohlfahrtsverbandes. Die braucht Relan, um damit Geräte und Maschinen anzuschaffen.
Diese Gelder fehlen bislang auch, um ein zweites Projekt bei der Firma Freudenberg in Neuenburg Wirklichkeit werden zu lassen. Von Reha betreute Personen arbeiten bereits für das Unternehmen, bislang jedoch nur auf Basis eines Zuverdienstes. Sie führen Qualitätskontrollen aus und verrichten Nach- und Verputzarbeiten. Während in der Endinger Schreinerei Gesunde und Kranke Schulter an Schulter zusammenarbeiten, sind die von Relan bei Freudenberg Beschäftigten in einem separaten Arbeitsbereich untergebracht.
Klein-Alstedde verhehlte es nicht, dass es durch eine erhöhte Ausfallgefahr ein Risiko für den Arbeitgeber darstelle, einen psychisch kranken Menschen zu beschäftigen. "Trotzdem wollen wir dem allgemeinen Trend in der freien Wirtschaft entgegenwirken, Schwerbehinderte auszugliedern und den Sozialsystemen zu überlassen", betonte der Reha-Geschäftsführer.